Der im Jahr 1998 gegründete französische Automobilhersteller ist nicht nur einer der ältesten, sondern nach der Allianz mit Nissan als Nummer vier auch einer der größten Hersteller der Welt. Für die in Deutschland stärkste ausländische Automobilmarke arbeiten weltweit über 126.000 Mitarbeiter.
Während einer Verabredung mit Freunden in einem Pariser Restaurant findet Louis Renault am Heiligen Abend des Jahres 1898 die Gelegenheit, Freunden und Passanten die Qualitäten seines selbst entwickelten ersten Automobils eindrucksvoll vor Augen zu führen.
Mit seiner „Voiturette“ erklimmt der 21-jährige Franzose ein ums andere Mal die 13-prozentige Steigung der Rue Lepic zum Montmartre. Sein älterer Bruder Marcel Renault erklärt derweil den staunenden Umstehenden die Vorzüge des 1,75 PS starken und mit einem revolutionären Direktantrieb ausgestatteten Fahrzeugs. Noch am selben Abend nehmen die Brüder Renault zwölf Bestellungen für ihr „Voiturette“ getauftes Vehikel entgegen – für die damalige Zeit ein Großauftrag.
Unmittelbar danach gründen Louis und Marcel die Firma Renault Frères, stellen die ersten Mitarbeiter ein und beginnen in ihrem Gartenschuppen auf dem Familien-Landsitz in Billancourt mit der Produktion.
Louis Renault leitete das Unternehmen von 1898 bis 1944. Neben der Leitung des Unternehmens war er weiterhin als Techniker tätig. Dieses führte über die Jahre zu zahlreichen Patenten, welche die automobile Welt revolutionierten. Beispielhaft seien hier die Kardanwelle, die einzuschraubende Zündkerze oder der Turbokompressor genannt, ebenso der Sicherheitsgurt, der erste V8-Motor für ein Flugzeug und die Trommelbremse.
Die Entwicklung des Familienunternehmens schritt schnell voran, so beschäftigte Renault um 1900 schon über 100 Mitarbeiter.
Den Durchbruch vom Familienunternehmen zum großen Industriekonzern schaffte Renault im Jahr 1906, als ein Pariser Taxiunternehmen 1500 Taxis bei Renault bestellte.
Renault begann schon früh mit der Produktion von Nutzfahrzeugen. 1909 gab es bereits 3- und 5-Tonner, 1915 eine Zugmaschine mit Allradantrieb und -lenkung. 1913 produzierte Renault das zehntausendste Auto. Diese Zahl an Autos reichte fast an die Produktionszahlen von Ford und war in Europa einzigartig.
Im 2. Weltkrieg wurde Louis Renault die Zusammenarbeit mit den Nationalsozialisten vorgeworfen. Er starb 1944 nach einem Monat Haft im Gefängnis. So wurde am 16. Januar 1945 Renault vom französischen Staat enteignet und Pierre Lefaucheux als Generaldirektor eingesetzt.
Die Automobilproduktion beschränkte sich nach dem 2. Weltkrieg zunächst auf den Renault 4CV (Crèmeschnittchen).
Mit dem Anspruch, ein Konzern des Volkes zu sein, setzte Renault in den 60er-Jahren die bezahlte dritte und vierte Urlaubswoche durch. Aus der Produktionssicht brachte diese Zeit Modelle wie den Renault 4 oder den Renault 16 hervor. Schon damals setzte Renault auf den Export und kam damit nicht nur in Frankreich an die Spitze der Zulassungen, sondern auch in Europa weit nach vorne.
In den Jahren vor 1985 ging bei Renault die Produktion zurück. Um dieser Krise zu entkommen, wurde die gesamte Kraft auf neue Produkte gesetzt. Sprösslinge dieser intensiven Bemühungen waren der Renault 25 und der Espace, der als Begründer der Minivans in Europa angesehen werden kann. Kurz danach gesellte sich noch der Renault 19 dazu und brachte Renault wieder in die Gewinnzone.
Dass mit Renault – Mitte der 80er noch das Sorgenkind der Branche – wieder zu rechnen ist, dies stellt der „Créateur d‘Automobiles“ mannigfaltig unter Beweis. So zum Beispiel in der Formel 1: Bereits 1989 war die französische Marke als Motorenpartner des Teams Williams in den Grand Prix-Sport zurückgekehrt – mit einem neuen Konzept. Das 3,5 Liter große Rennaggregat aus Viry-Châtillon setzt erstmals auf eine Zehnzylinder-V-Konfiguration und hydropneumatische Ventilsteuerung – eine Technologie, die in den Folgejahren kaum für möglich gehaltene Drehzahlen erlauben sollte. Die Resultate lassen nicht lange auf sich warten: Bereits im Debütjahr steuert das belgische Regen-Ass Thierry Boutsen einen ersten Sieg bei, 1990 folgen zwei weitere, und 1991 beendet die britisch-französische Kooperation die Konstrukteurs-Weltmeisterschaft auf dem zweiten Rang.
Es beginnt eine Ära der totalen Dominanz: Williams-Renault und – 1995 – Benetton-Renault erringen bis einschließlich 1997 sechs Marken-WM-Titel am Stück. Bei den Fahrern setzen sich Nigel Mansell (1992), Alain Prost (1993), Michael Schumacher (1995), Damon Hill (1996) und Jacques Villeneuve (1997) die Champions-Krone auf, dann zieht sich Renault aus der Königsklasse wieder zurück.
Parallel dazu geht auch die Modernisierung der PKW-Modellreihen voran. Den Auftakt macht der Renault Clio, der 1990 die Herzen der Kunden erobert und bereits im Folgejahr als „Auto des Jahres“ geehrt wird. 1992 folgt der freche Twingo. Als Nachfolger des Renault 21 wird der Laguna ab 1994 in der Mittelklasse zur festen Größe. Die variantenreiche Mégane-Baureihe löst 1995 den Renault 19 ab. Und mit dem Scénic trägt die französische Marke den bahnbrechenden Erfolg des Espace 1997 in die kompakte Mittelklasse.
Nach der 1999 gegründeten Allianz Renault-Nissan beteiligte sich Renault im Jahr 2002 an dem Autokonzern Nissan (44 %), später an Volvo (20 %) und kaufte die Automarken Dacia und Samsung Motors.
Im Jahr 2005 gewann Renaults Formel-1-Team zusammen mit seinem Fahrer Fernando Alonso den Fahrer- und Konstrukteurstitel der Formel-1-Weltmeisterschaft. Im Jahr 2006 errang Renaults Formel-1-Team zusammen mit seinem Fahrer Fernando Alonso erneut den Fahrer- und Konstrukteurstitel der Formel-1-Weltmeisterschaft.
Aktuelle PKW-Modelle sind die Kleinwagen Twingo und Clio, die Kompaktklasse Mégane, die Mittelklasse Laguna, die obere Mitteklasse Vel Satis, die Minivans Koleos, Modus und Grand Modus, die Kompaktvans Scénic und Grand Scénic sowie die Vans Espace und Grand Espace. 2011 will Renault einen Elektrowagen auf den Markt bringen.